
Schneller im Onboarding, aber kürzere Verweildauer. Langsamer im Onboarding, aber sie bleiben. Was die Zahlen zu Verweildauer und Rotationskosten tatsächlich zeigen.
Das saisonale Balkan-Modell und der philippinische RWR-Weg werden ständig verglichen, meist anhand der Geschwindigkeit: Der Balkan-Weg dauert Wochen bis Monate, der philippinische Weg Monate. Das stimmt — aber es ist nur die halbe Geschichte. Die andere Hälfte zeigt sich erst, nachdem jemand angefangen hat.
Die durchschnittliche Verweildauer auf dem philippinischen Weg liegt bei 18 bis 24 Monaten. Saisonale Balkan-Einstellungen bleiben in der Regel 4 bis 8 Monate — das ist kein Mangel des Modells, sondern liegt größtenteils daran, wie Saisonarbeit strukturiert ist. Es bedeutet aber, dass beide Wege unterschiedliche Probleme lösen — und wer nur die Geschwindigkeit vergleicht, übersieht den eigentlichen Kostentreiber: wie oft neu eingestellt werden muss.
Rechnet man über einen Zeitraum von 24 Monaten für ein Team von 5 Positionen, wird der Unterschied bei den Rotationskosten konkret. Saisonale Balkan-Rotation über diesen Zeitraum kostet rund 25.000 Euro an Ersatz- und Onboarding-Aufwand; die klassische Saisonroute (wiederholte kurzzyklische Einstellung) liegt eher bei 37.500 Euro. Der philippinische Weg liegt im selben Zeitraum bei 0 bis 2.500 Euro — weil die meisten Mitarbeitenden noch im Unternehmen sind. Jede einzelne Nachbesetzung, wenn sie nötig wird, kostet rund 2.500 Euro.
Keines der beiden Modelle ist „falsch“. Wer sechs Wochen zusätzliche Arbeitskräfte für eine Ernte oder eine Saisonspitze braucht, für den passt der philippinische RWR-Zeitrahmen nicht — dafür ist der saisonale Balkan-Weg da. Wer dagegen eine Position dauerhaft besetzen will, die alle paar Monate wieder frei wird, findet in den obigen Zahlen das Argument, einen längeren Onboarding-Prozess in Kauf zu nehmen — im Austausch für ein Team, das auch in zwei Jahren noch da ist.
Der ehrliche Vergleich lautet nicht „was ist besser“, sondern „welches Problem lösen Sie tatsächlich“. Diese Frage stellen wir in jedem Erstgespräch, bevor wir einen Weg empfehlen — denn die falsche Antwort darauf ist der häufigste Grund, warum Rekrutierungsbudgets verschwendet werden.